Drop Shadow Talks: Dragan Espenschied

Den dritten Talk in Johannes P Osterhoffs großartiger Reihe “Drop Shadow Talks” bestritt Dragan Espenschied. Der Vortrag war eine Würdigung des Amateur-Webdesigns, das heute von Facebook & Co bedroht wird. War die gute alte Homepage noch gebastelte Selbstverwirklichung, drohen die Benutzer der aktuellen Community Seiten zu Klickvieh und Inhaltsbeschaffern degradiert zu werden. Die kulturelle Ursuppe des Internets hat einen schwarzen Seitenhintergrund, gerne mit blinkenden Sternen. Espenschied lässt keinen Zweifel daran, dass er das anarchistische Do-It-Yourself-Web nicht nur wegen seines unbedarften experimentellen Designs schätzt, sondern auch für wiederstandsfähiger gegen diverse Kontrollgelüste hält.
Erwartungsgemäß konnten sich nicht alle Zuhörer mit dem Gedanken anfreunden, dass es sich bei der digitalen Volkskunst um etwas Wertvolles und Erhaltenswertes handele (“wenn man früher in der Volkshochschule töpferte, hat das auch niemanden interessiert”). Wer sich jedoch von der – letztlich unhaltbaren – Vorstellung allgemein verbindlicher ästhetischer Maßstäbe lösen kann, versteht anhand der Kunst von Olia Lialina und Dragan Espenschied vielleicht, dass die Trennlinie nicht zwischen Kitsch und großer Kunst verläuft, sondern, wenn überhaupt, zwischen großem Kitsch und spießigem Kitsch. Der Spießer ist derjenige, der von der Absolutheit seiner Maßstäbe überzeugt ist und vor allem ist er oft Sauberkeitsfanatiker. Diese hohe Schule des puristischen Spießertums dominiert offenbar in einschlägigen Studiengängen oft immer noch die Gestaltungslehre.

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