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Kritikkritik
21 July 2006Mit zwei Freunden organisiere ich viermal im Jahr - so ist es zumindest geplant - die Pecha Kucha Nacht Berlin. Zuletzt vor knapp zwei Wochen bei Platoon in Mitte. Zu meinem Erstaunen gab es plötzlich eine Anfrage der FAZ, Bilder der Präsentationen für einen Feuilliton Artikel nutzen zu dürfen. Es gab zwar bei der ersten PK Nacht schon einen ziemlich kritischen Artikel im Onlin-Magazin der Süddeutschen Zeitung, aber dass wir vom Radar der ehrwürdigen FAZ erfasst worden waren, war schon eine Überraschung.
Von dem unerwarteten Interesse auf dem falschen Fuß erwischt, mussten wir zunächst die Zustimmung der Vortragenden einholen, weil wir natürlich keine Rechte an den gezeigten Bildern haben. Während wir den Präsentatoren hinterhermailten und telefonierten, witzelten wir schon darüber, dass wir im Allerheiligsten der deutschen Kulturkritik wohl ordentlich runtergemacht werden würden. So war es dann auch.
Allerdings nutzte der Autor Klaus Ungerer die Gelegenheit auch zu einer Abrechnung mit dem aus seiner Sicht offenbar Mitte-typischen Lebensstil. Da lästert Ungerer über körperbetonende Hemden und lässig in der Frisur sitzende Sonnenbrillen, ohne den Transfer zur eigenen gockelhaft eitlen Schreibe zu bewerkstelligen oder er lässt sich über ähms und ähs in den Vorträgen aus ohne dabei an seine eigene - unfassbar unprofessionelle - Website zu denken, auf der die meisten Links ins Freenet-Nirgendwo führen (derjenige zum selbstverliebten Lebenslauf funktioniert!).
Weil es Pecha Kucha auch in anderen Städten gibt und die Idee von einem Architekturbüro in Tokyo stammt und wir das auch erwähnen, sieht Ungerer gewollte und vorgegebene Weltläufigkeit am Werk (Iepe und Luka haben die Leute von Klein Dytham kennen gelernt, als sie in im Rahmen von (Vorsicht Unwort:) Projekten in Tokyo waren).
Wir wählen die Vorträge anhand eingesandter Bilder und Erklärungen aus. Ob jemand gut vortragen kann oder nicht, wissen wir in den meisten Fällen vorher nicht. Wir freuen uns wenn ein Vortrag gelingt, wenn nicht dauert er nicht länger als 6:40. Die Möglichkeit des Scheiterns gehört dazu - also ganz in der Tradition von Karaoke. Die Verwandschaft zum guten alten Diaabend leugnen wir auch nicht. In den guten Momenten gibt es einen Vortrag wie den von Jean Ulrick Desert oder auch den von Hartmut Landauer.
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